Nein = Weltuntergang??

Viele Eltern von kleinen Autisten kennen das sicherlich, dass bei einem ausgesprochenen „Nein“ die Hölle über ihnen losbricht! Ein „Nein“ kann zu Schreien, Toben, Gegenstände werfen, Beissen und zu weiß Gott was noch allem führen.

Jaja, das böse Wort „Nein“…

Dabei ist es aus autistischer Sicht recht verständlich, warum es bei einem „Nein“ zu solchen Reaktionen kommen kann. Zum einen hat der kleine Autist schon einen ganz genauen Plan im Kopf, wenn er etwas haben oder tun möchte und dieser Plan wird plötzlich von außen zunichte gemacht. Der ganz schöne Plan wird quasi von jetzt auch gleich zerstört und bei dem kleinen Autisten kann es dann zur absoluten Handlungsunfähigkeit kommen. Wenn ich das jetzt nicht machen oder haben kann, was dann?? Leere… ja, ich war auch mal klein und kenne dieses Gefühl noch allzu gut.

Oder aber dieses „nein“ könnte auch absolut und für immer gültig sein, auch das verursacht Panik, wenn man das dann evtl. niemals wieder haben oder tun kann.

Und was macht der kleine Autist, wenn er handlungsunfähig ist oder in Panik gerät? Oftmals verfällt er dann in einen Overload, weil er gerade gar nicht mit dieser Situation umgehen kann… so ist es bei meinem Sohn zumindest gewesen… und wenn der Plan dann im Kopf so übermächtig ist, dass er sich gar nicht dagegen wehren kann, folgt der Meltdown, der dann eben auch mit schreien, toben, beißen und dem vollen Programm verbunden sein kann.

Aber: manchmal ist ein „Nein“ eben unerlässlich, manchmal kann der kleine Autist seinen Plan, so schön er im Kopf auch gerade sein mag, nicht umsetzen und dann??

Wir haben 2 Strategien entwickelt, mit denen mein Sohn jetzt gut klar kommt.

I. Ein Nein muss nicht immer als nein ausgesprochen werden!

Das muss ich etwas näher erläutern. Sicher kennen Sie diese Beispiel: „Denk nicht an den rosa Elefanten!“. Na, an was denken Sie jetzt?? Genau… an den rosa Elefanten.

Wenn mein Sohn etwas NICHT tun soll, dann sage ich ihm nicht, was er nicht tun soll 😉 Ich formuliere es also positiv und sage ihm, was er stattdessen tun soll.

Ein kleines Beispiel: mein Sohn liebt Pfützen und hasst Gummistiefel wie die Pest. Bei der momentanen Wetterlage einen äußerst ungünstige Kombination. Wenn wir nun unterwegs sind, kann er mit seinen Turnschuhen (die einzigen Schuhe die er momentan anlässt) einfach nicht jede Regenpfütze austreten, ich käme mit dem Trocknen einfach nicht mehr nach. So sage ich ihm unterwegs nicht „Lauf aber nicht in die Pfützen“, denn was bei meinem Sohn da scheinbar hängen bleibt, ist „in die Pfützen laufen, coooool“. Stattdessen sage ich ihm, „Lauf bitte um die Pfütze außen rum“ und dann machen wir manchmal ein Pfützenslalomspiel daraus.

Oder aber er klettert gerne auf die Schränke. Statt ihm zu sagen, dass er das nicht tun soll, sage ich ihm, er soll bitte unten bleiben.

Das sind jetzt nur 2 Beispiele, davon gibt es noch etliche.

Der Knackpunkt an der Sache (gerade eben bei meinem Sohn) ist der, dass er durch ein „tu das nicht“ in eine Handlungsunfähigkeit geraten würde („was soll ich denn sonst machen“) oder dass er eben das „nicht“ so nebenbei einfach überhören würden.

Sage ich ihm stattdessen, was er tun soll, dann weiß er genau, was zu tun ist und er hält sich dann auch bereitwillig dran.

 

II. „Nein“ üben!

Ich konnte von meinem Sohn nicht einfach so erwarten, dass er plötzlich einfach ein „Nein“ akzeptiert und damit umgehen kann, weil ich ja auch seine Denkweise dazu nachvollziehen kann. Da ein „Nein“ aber einfach auch mal wichtig sein kann, haben wir „nein“ geübt. Jo, wie übt man denn sowas??

Sobald ich ein „Nein“ ausgesprochen habe, habe ich ihm SOFORT eine Alternative dazu angeboten, so dass er gar nicht erst in diese Handlungsunfähigkeit geraten MUSSTE.

Z.B.: Mein Sohn liebt Cola (gibt es bei uns nur sehr selten). Wenn er am Abend jetzt nach einer Cola verlangt hat, habe ich ihm gesagt, dass es Cola jetzt nicht mehr gibt („Nein“), dass er aber gerne noch einen Schluck Capri-Sonne oder Milch trinken kann. Hmmm… zwar nicht ganz das gewünschte, aber immerhin.

Oder aber er wollte mit mir Trampolin springen: „Nein, Trampolin springen möchte ich jetzt nicht, aber ich kann dich auf deiner Schaukel anschubsen“… ok, besser als gar nichts.

Oder ich sollte ihn abends noch wild durch kitzeln (kurz vorm Schlafen gehen bei uns gar keine gute Idee)… „Nein, aber ich kann noch mit dir Singen“. Jo, singen ist auch ok.

Auf diese Weise hat er gelernt, dass ein „Nein“ kein Drama ist, dass es auch alternativ etwas gibt, was auch nicht so übel ist. Und mittlerweile sucht er sich bei einem „Nein“ auch selbst eine Alternative und ist nicht mehr darauf angewiesen, dass ich ihm eine Alternative anbiete.

Um das „Nein“ nicht als absolut und endgültig und für immer für ihn stehen zu lassen, kann ich ihm mittlerweile sagen, dass das JETZT nicht geht, aber später… wenn er z.B. beim Frühstück nach Maultaschen verlangt, sage ich ihm, dass das JETZT nicht geht, dass er seine Maultaschen aber heute zum Abendessen haben kann. JETZT kann er ein Brötchen und einen Jogurt haben und damit ist die Sache dann auch erledigt.

 

Also auch ein „Nein“ kann gelernt werden, denn leider ist ein „Nein“ eben manchmal unerlässlich. Und besser ist es doch, wenn ich mit einem „Nein“ schon umgehen kann, wenn es nicht sooo wichtig ist, als dass ich plötzlich mit einem „Nein“ konfrontiert werde, wenn ich eh schon unter Stress stehe.

 

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2 Gedanken zu „Nein = Weltuntergang??

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